Logbuch

Meike HollandDas Leben ist zu kurz für später
(Veröffentlicht 05. November 2018)

Dieser Buchtitel hat mich seinerzeit ziemlich wachgerüttelt. Was, wenn ich nur noch ein Jahr zu leben hätte? Was würde ich erreicht haben wollen? Was wollte ich noch sehen und erleben? Wer würde ich sein wollen, bevor ich von dieser Erde gehe? Was würden die Menschen auf meiner Beerdigung über mich sagen sollen?

Genau das ist es, wir sprechen immer im Konjunktiv von diesen Dingen. Was wäre, wenn... Damit kommen wir langfristig nicht weiter.

Was möchte ich noch erreichen? Was möchte ich noch sehen und erleben? Wer möchte ich sein? Das sind die entscheidenden Fragen. Denn nur wenn ich mir meine Ziele klar gemacht habe, kann ich auch dafür losgehen. Ein „vielleicht“ oder „eventuell“ oder auch ein „ich würde gerne“ hilft mir an dieser Stelle nicht weiter.

Und manchmal liegen die Dinge, die ich erreichen möchte, nicht so auf der Hand. Das Leben ist anders gekommen. Wir mussten an manchen Punkten zurückstecken, vielleicht konnten wir doch nicht den Beruf ergreifen, den wir uns so sehr gewünscht haben. Das Geld fehlte, die Kinder waren noch klein, der geliebte Partner hatte andere Ziele.

Das ist wie beim Segeln. Nicht immer spielt das Wetter mit, nicht immer schaffen wir es, auf direktem Weg unser Ziel zu erreichen. Aber die Idee, wo ich hin will, bleibt. Und vielleicht kommen wir erst ein paar Tage später los, vielleicht müssen wir einen Umweg fahren, vielleicht brauchen wir Hilfe bei der Umsetzung unserer Pläne. Sicher müssen wir irgendwo Abstriche machen, aber dennoch ist es möglich, dorthin zu gelangen, wo wir hin möchten. Solange wir nicht aufgeben.

Und das ist es, was wir so häufig tun. Wir resignieren. Glauben, weil der Wind zu stark ist, dass es unmöglich ist, ans Ziel zu gelangen. Weil wir oft nur sehr schmalspurig denken. Keine anderen Möglichkeiten mehr sehen. Uns zu schwach fühlen, und vielleicht sogar denken, das Leben sei halt gegen unsere Pläne.




 

Aber so ist es nicht. Im Gegenteil. Das Leben bietet uns ständig neue Möglichkeiten. Immer wieder gehen Türen auf, die wir vorher nicht gesehen haben. Manchmal müssen wir nur die Augen offen halten. Manchmal müssen wir vielleicht auch erst andere Dinge aus dem Weg räumen, die vor der Tür stehen. Und diese Dinge befinden sich häufig nur in unserem Kopf. Negative Gedanken, starke Glaubenssätze, mangelndes Selbstbewusstsein und vor allem unsere ureigenen Erfahrungen stehen uns im Weg. Selten sind das andere Menschen oder gar das Leben selbst. Wir glauben, dass es nun mal nicht geht, uns nicht vergönnt ist...

Ich wollte immer Ärztin werden. Den Numerus Clausus habe ich nicht geschafft. Also habe ich meinen Traum aufgegeben. Erst viel später habe ich festgestellt, dass ich es über Umwege hätte schaffen können. Per Quereinstieg oder so. Als ich vierzig war, habe ich noch einmal darüber nachgedacht, ob ich das Studium nachhole. Ich habe mich dagegen entschieden.

Denn das eigentliche Bedürfnis, das diesem Wunsch zugrunde lag, war es, Menschen zu helfen, ihr Potential zu leben. Das habe ich einige Zeit als Lehrerin getan und es war toll, jungen Menschen Mut zu machen, ihren Weg zu gehen, sich nicht unterbuttern zu lassen.

Heute tue ich das als Coach. Weil in uns allen mehr steckt als wir denken. Und weil wir nur durch geistige Gesundheit unsere Ziele erreichen. Dabei helfe ich Ihnen. Das bedeutet mir mehr, als Schmerztabletten zu verschreiben. (Das ist eine Verunglimpfung des Arztberufes, ich bitte um Verzeihung. Es geht einfach um das Bild.)

Also manchmal verändern sich unsere Ziele im Leben. Und das ist auch gut so. Das darf sein. Deswegen habe ich dennoch nicht das Gefühl, mein Ziel nicht erreicht zu haben. Es sieht inzwischen anders aus, und ich bin froh darum. Meine Tür hat sich woanders aufgetan.

Wie sieht es mit Ihren Türen aus?




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